Psychosoziale Notfallversorgung im DRK Landesverband Nordrhein

(PSNV)

Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) ist ein Fachbereich im Fachdienst Betreuungsdienst. Alle Maßnahmen der PSNV zielen im Vorfeld von Ereignissen auf die Prävention sowie während besonderer Ereignisse und im Nachgang eines Geschehens auf die Bewältigung der damit einhergehenden Belastungen ab.

Die PSNV wird unterteilt in den Bereich PSNV-B für Betroffene, wie z. B. Angehörige, Hinterbliebene, Vermissende oder Unfallzeugen, also Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ein Ereignis als Zivilpersonen erlebt haben, und in den Bereich PSNV-E für Einsatzkräfte.

Ansprechpersonen im DRK Landesverband Nordrhein

Jens Pesch
Landesfachdienstbeauftragter für den Betreuungsdienst
jens.pesch(at)drk-nordrhein(dot)de

Marlies Fey
marlies.fey(at)drk-nordrhein(dot)de

Wenn Sie Interesse an der Mitwirkung im Bereich der Psychosozialen Notfallversorgung im DRK-Landesverband Nordrhein haben, steht Ihnen Frau Gladys Pietz für eine erste Beratung gerne zur Verfügung.

gladys.pietz(at)drk-nordrhein(dot)de
Tel.: 0211-3104 238
 

Vielfältige Möglichkeiten der Ausbildung und Weiterqualifizierung

Um die Qualität gemäß einheitlichem Standard sicherstellen zu können, sind die Ziele, Aufgaben, Einsatzindikationen, Maßnahmen und Anforderungen sowie die Ausbildungscurricula im DRK-Rahmenkonzept PSNV beschrieben (→ Download DRK-Rahmenkonzept PSNV *.pdf).

Wenn Sie sich im Bereich PSNV im DRK engagieren möchten, nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf unter: psnv(at)drk-nordrhein(dot)de


Psychosoziale Notfallversorgung für Betroffene (PSNV-B)

Die PSNV-B umfasst alle psychosozialen Akuthilfen, die Betroffene nach einem psychisch belastenden Ereignis über Stunden oder wenige Tage hinweg psychosozial begleiten. Nachfolgend werden diese Personen in ihr eigenes soziales Netzwerk, in weitergehende psychosoziale Hilfen oder in therapeutische Versorgungsstrukturen übergeleitet.

Grundlagen PSNV

Die Psychosoziale Notfallversorgung von Betroffenen ist ein Ausbildungsangebot, das sich grundsätzlich an alle DRK-Einsatzkräfte richtet. Es werden weiterführende Kenntnisse und Maßnahmen im Umgang mit Menschen in extremen Situationen vermittelt, die im Rahmen eines Betreuungsdiensteinsatzes auftreten können, wie z. B. im Kontext größerer Schadenslagen. Teilnehmende dieser Grundlagenschulung erlernen Maßnahmen, die sie anwenden können, um einzuschätzen, ob Betroffene weitergehende Unterstützung im akuten Geschehen benötigen oder hinreichend orientiert und selbstwirksam sind, dass sie in der Situation selbst zurechtkommen.

Dauer: 16 x 45 Minuten (2-tägig)

Inhalte: Selbstverständnis und Grundhaltung; mögliche Reaktionen in akuten psychischen Notlagen; Grundlagen der Kommunikation; Elemente der psychischen Betreuung; psychiatrische Notfälle; Selbstschutz und Grundlagen der Psychohygiene

Zielgruppe: Alle interessierten DRK-Einsatzkräfte. Der Lehrgang ist auch Bestandteil im Werdegang „Helfer in der sozialen Betreuung und Fachkraft soziale Betreuung“

Voraussetzungen: Mitgliedschaft in den Bereitschaften (Mindestalter 16 Jahre) und Rotkreuz-Einführungsseminar, Mindestalter 16 Jahre

Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E)

Die PSNV-E wird auch Einsatzkräftefürsorge genannt. Dieser Bereich umfasst sowohl präventive, auf Einsatzlagen vorbereitende Schulungen, als auch im Einsatz begleitende und nach dem Einsatz nachsorgende Betreuung für Einsatzkräfte.

Um Einsatzkräfte persönlich zu stärken und auf herausfordernde Situationen bestmöglich vorzubereiten, lernen sie, dass körperliche und seelische Reaktionen in Folge von belastend empfundenen Einsätzen ganz normale Reaktionen auf ein unnormales Ereignis sind. In der Regel lassen solche Reaktionen innerhalb eines Zeitraums von 14 Tagen deutlich nach.

Begleitende Betreuung erfolgt im Einsatzgeschehen immer dann, wenn Einsatzkräfte einen Gesprächspartner in den Einsatzpausen suchen. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt noch keine strukturierte Einsatznachbereitung.

Die Einsatzkräftenachsorge erfolgt durch speziell geschulte und regelmäßig fortgebildete Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus den eigenen Reihen, so genannte „Peers“. Diese kennen grundsätzlich die alltäglichen Belastungen und Einsatzabläufe aus eigener Erfahrung und können somit leichter nachvollziehen, was die Einsatzkraft erlebt hat und welche Reaktionen dies auslösen kann. Nach belastenden Ereignissen – wie z. B. nach herausragenden Einsatzsituationen, Katastrophen, Großschadensereignissen, Massenanfälle von Verletzten (MANV), Verletzung und/oder Tod von Einsatzkräften – kann zunächst das Angebot von Einsatznachbesprechungen (nicht taktischer Art) in der Gruppe mit freiwilliger Teilnahme gemacht werden, so dass alle am Einsatz Beteiligten den Gesamteinsatz besser nachvollziehen sowie mögliche Irritationen benennen können.

Darüber hinaus können Einzelgespräche ermöglicht werden und/oder betroffene Einsatzkräfte bei Bedarf auch kurzfristig an professionelle psychologische / ärztliche Fachkräfte vermittelt werden. Diese können – basierend auf ihrer beruflichen Aus- und Weiterbildung – Einsatznachbesprechungen moderieren und strukturieren sowie zielgerichtete Empfehlungen zu evtl. Unterstützungsangeboten aussprechen.

Flyer PSNV-E

Der DRK-Landesverband Nordrhein hat ein Merkblatt für alle Mitarbeitende und Einsatzkräfte erstellt, das über mögliche Belastungsreaktionen informiert und erste Tipps gibt, damit umzugehen.

Download Merkblatt (*.pdf)

Netzwerk PSNV-E

Bereits in der Einsatzkräfteausbildung werden Informationen über persönliche und situative Stressfaktoren, Grundbedürfnisse, mögliche Reaktionen nach belastenden Einsätzen und Bewältigungsstrategien vermittelt. Weitere Fortbildungen bauen darauf auf (siehe Schaubild).

Ausbildung PSNV-E Helfende

Durch die Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) sollen einsatzbezogene, psychosoziale Belastungsfolgen erkannt, reduziert oder gar vermieden werden. Die psychische Erste Hilfe für Einsatzkräfte ist ein wichtiger Bestandteil des Gesundheits- und Arbeitsschutzes. PSNV-E Helfende werden als erstes, niederschwelliges, psychosoziales Angebot für Einsatzkräfte, vorrangig in der eigenen Einheit, tätig bzw. eingesetzt. 
Die Ausbildung gliedert sich in einen Einführungstag sowie zwei Wochenenden auf.

Wer sich für die Arbeit als PSNV-E Helfende entscheidet, muss wissen, dass einige Voraussetzungen zu erfüllen sind:

• abgeschlossene Fachdienstausbildung
• mindestens 5 Jahre aktive Einsatzerfahrung 

Persönliche Voraussetzungen:
• körperliche Belastbarkeit und hohe psychische Stabilität
• Teamfähigkeit
• Fähigkeit zur Empathie 
• Zugang zum Thema
• Bereitschaft zur Aus- und Weiterbildung

PSNV-E Helfende werden zusätzlich zur jeweiligen Fachdienstlichen Tätigkeit aktiv.

Die Ausbildung gliedert sich in einen Einführungstag sowie zwei Wochenenden auf.

Der Einführungstag:
An diesem Tag steht die Ausrichtung der Ausbildung und insbesondere das Kennenlernen der Teilnehmenden und Ausbilder im Vordergrund. 

Die Teilnehmenden des Einführungstages haben am Ende des Tages die Möglichkeit ihre Anmeldung zur Seminarteilnahme zurückzuziehen. Beispielsweise wenn die Ausrichtung der späteren Aufgaben, die Kurszusammensetzung oder die persönliche Einschätzung zur Eignung für die Aufgaben, zur dieser Entscheidung führen. Natürlich wird das Dozententeam bei der Entscheidung unterstützen.

Die Ausbildung:
An zwei Wochenenden werden die Teilnehmenden auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet. Die erforderliche Handlungskompetenz steht hierbei im Vordergrund. Daher werden neben Fachthemen aus den Bereichen:

  • Stress, -reaktionen, -bewältigung, Belastungsreaktionen 
  • Entspannungstechniken
  • Verhalten betroffener Einsatzkräfte mit kulturellen Hintergründen
  • Rechtliche Grundlagen
  • Psychotraumatologie
  • PSNV Strukturen
  • Umgang mit Sterben Tod und Trauer


Das Thema Kommunikation bildet einen besonderen Schwerpunkt. Durch Handlungstrainings werden Anhand von Einsatzszenarien, Gespräche der Einsatzkräftenachsorge trainiert. Dies geschieht immer in der Gruppe. Jedes Beispiel wird gemeinsam nachbesprochen. Durch dieses Feedback erfahren alle Seminarteilnehmenden, wie sie durch die bewusste Umsetzung von Kommunikation, gute Entlastungsgespräche führen können.

Sie unterstützen auch die Arbeit der PSNV-E-Assistenz bei psychischen Belastungen von Einsatzkräften, beispielsweise in Gruppengesprächen.

Ausbildung PSNV-Assistentin, PSNV-Assistenten

Durch die Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) sollen einsatzbezogene, psychosoziale Belastungsfolgen erkannt, reduziert oder gar vermieden werden. Die psychische Erste Hilfe für Einsatzkräfte ist ein wichtiger Bestandteil des Gesundheits- und Arbeitsschutzes für Einsatzkräfte. PSNV-Helferinnen und PSNV-Helfer werden als erstes, niederschwelliges psychosoziales Angebot für Einsatzkräfte, vorrangig in der eigenen Einheit, eingesetzt. Der Einsatz von PSNV-E Assistent*innen ist in erster Linie für PSNV-E Helfer*innen angeboten, welche für den Einsatz im Rahmen des Konzeptes der überörtlichen Hilfe Ü-PSNV-E NRW, vorgesehen sind. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt neben der Vertiefung fachlicher Themen rund um psychische Belastungen und Belastungsfolgen, insbesondere in den unterschiedlichen Kommunikationsformen, welche von der Einzel- bis hin zur Mitwirkung in der Gruppenintervention nach überörtlichen belastenden Einsätzen erforderlich sein können. Das Volumen der Ausbildung zum/zur PSNV-E Assistent*in beträgt 120 Unterrichtsstunden à 45 Minuten, verteilt auf zwei Blöcke mit jeweils drei Wochenenden (Modulen). Dem vorangestellt ist ein Einführungstag. Die Qualifikation ist erst nach Absolvierung der gesamten Ausbildung anerkannt. Es besteht die Möglichkeit, die Ausbildung über zwei Jahre abzuschließen, wobei jeweilig die zwei Blöcke mit den drei Modulen eine geschlossene Einheit darstellen.
Da der Einsatz im Bereich von überörtlichen Lagen eine mehrtägige Einsatzdauer voraussetzt, ist insbesondere neben der psychischen Stabilität, auch die körperliche Belastbarkeit zu beachten. 
In überörtlichen Einsätzen sind die PSNV-E Kräfte in der Regel in Teams mit unterschiedlicher Zusammensetzung tätig. Die Führung obliegt der jeweiligen Einsatzstruktur. 


Auch für die Ausbildung PSNV-Assistent*in müssen Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ausbildung PSNV-E Helfer*in
  • mindestens ein Jahr Einsatzerfahrung als PSNV-E Helfer*in
  • Nachweis einer jährlichen Fortbildung nach der Ausbildung PSNV-E Helfer*in
  • körperliche Belastbarkeit und hohe psychische Stabilität
  • Teamfähigkeit
  • Fähigkeit zur Empathie
  • Zugang zum Thema
  • Bereitschaft zur Aus- und Weiterbildung
  • charakterliche Eignung


Der Einführungstag:
An diesem Tag steht die Ausrichtung der Ausbildung sowie das Kennenlernen der Teilnehmenden und Ausbilder im Vordergrund.  Bereits hier werden die Themen Kommunikation sowie Verortung und Einsatz von PSNV-E Assistent*innen behandelt.

Die Teilnehmenden des Einführungstages haben am Ende des Tages die Möglichkeit ihre Anmeldung zur Seminarteilnahme zurückzuziehen. Beispielsweise wenn die Ausrichtung der späteren Aufgaben, die Kurszusammensetzung oder die persönliche Einschätzung zur Eignung für die Aufgaben, zur dieser Entscheidung führen. Natürlich wird das Dozententeam bei der Entscheidung unterstützen.

Die Ausbildung:
Die 120 Unterrichtsstunden à 45 Minuten verteilen sich auf sechs Wochenenden mit jeweils 20 Unterrichtseinheiten (10UE pro Tag). 

Themenschwerpunkte:

  • Kommunikation und Gesprächsführung, 
  • Stress im Einsatz; Einzel-Kurzintervention, 
  • Psychologie, psychische Störungen und Psychotherapie, 
  • Helfersyndrom, Psychohygiene, Burnout,
  • Suizid, Umgang mit Suchterkrankungen Entspannungstechniken, 
  • Leiden, Sterben, Tod und Trauer, Kommunikation, Gruppenintervention
  • Zielgruppenorientiertes Vorgehen bei Einzel- und Gruppengesprächen,
  • Lernstandserhebung und Erfolgskontrolle

Auch in dieser Ausbildung bildet das Thema Kommunikation einen besonderen Schwerpunkt. Durch Handlungstrainings werden Anhand von Einsatzszenarien, Gespräche der Einsatzkräftenachsorge trainiert. Dies geschieht aufbauend auf die Erfahrungen der PSNV-E Helfer*innen Ausbildung sowie auf den praktischen Einsatzerfahrungen als PSNV-E Helfer*in.

Das PSNV-Netzwerk basiert auf einer flächendeckenden Verbreitung der Grundgedanken zur Psychosozialen Notfallversorgung. Die Qualifizierung der PSNV-Kräfte erfolgt durch Ausbilderinnen und Ausbilder in den DRK-Kreisverbänden sowie im DRK Landesverband Nordrhein.