Haus des Jugendrotkreuzes

Wäre das Haus des Jugendrotkreuzes ein Mensch, er wäre freundlich, herzlich, zuverlässig, offen und warm. Gute Wesenszüge. Sie spiegeln die Ideale im DRK-Landesverband Nordrhein. Das Haus, das idyllisch in Wald nahe Bad Münstereifel liegt, ist seit nunmehr 25 Jahren ein Ort der Bildung und vor allem der Herzensbildung für junge Leute. Ein schöner Grund zum Feiern! Denn die Bildung vor allem außerhalb der Schulen ist ein Kernstück der Jugendarbeit im Deutschen Roten Kreuz und es gilt, sie aufrecht zu erhalten und auszubauen.

25 Jahre Haus der Jugend - Bericht einer Geburtstagsfeier

Den 25. Geburtstag vom HdJ nahmen viele Funktionäre des Erwachsenenverbandes und des Jugendrotkreuzes zum Anlass, die Vorzüge und Eigenschaften des Hauses, seine Vergangenheit und Bedeutung in Gegenwart und Zukunft hervor zu heben. DRK-Präsident Hans Schwarz nannte die Stätte einen „wesentlichen identitätsstiftenden Faktor für alle JRKler“. Als Hausherr bescheinigte JRK-Landesreferent Frank Danscher dem 25 Jahre alten Gemäuer „gute Gesundheit, Kraft und Energie und pure Lebensfreude“. Als Vertreter der Landesregierung lobte Jürgen Schattmann vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration das Haus des Jugendrotkreuzes als „unverzichtbar für die Orientierung junger Menschen und ihre Entwicklung von Werten“ und sicherte auch künftig Gelder aus dem Kinder- und Jugendförderplan des Landes zu. Der Bürgermeister von Bad Münstereifel, Alexander Büttner, betonte, die Jugend sei in der Kurstadt stets sehr willkommen. Er bezeichnete das ehrenamtliche Engagement der Jugendrotkreuzler als „Kitt der Gesellschaft“. Der Live-Gitarrist Arndt Bander würzte die Redebeiträge mit Songs von Sting, Elton John und Alphaville.

 Zeitpfad durch das „lebendige Museum“
Mit den Gästen aus Politik und Gesellschaft feierten vor allem die Gastgeber vom JRK selber ihr Haus. Rund 250 Jugendliche aus den Kreisverbänden waren dabei. Und sie erwartete auf einem Zeitpfad ein amüsanter bisweilen gesellschaftskritischer Spaziergang durch das vergangene Jahrhundert,  genannt: „lebendiges Museum“. Das rief bei den älteren Semestern zunächst Erinnerungen an die wilden 1980er Jahre wach. Damals bereicherten Angebote wie „Blumenbinden“ und „Batiken“ das Bildungsprogramm. Auch „Bauen mit Ytong und  Speckstein“ wurde gern belegt. Nostalgische JRK-Plakate vermittelten die freundliche Botschaft „Dein Platz ist noch frei“. Das Wir-Gefühl stand auch schon vor 25 Jahren im Vordergrund. Hubert Kah und Extrabreit sangen dazu. Und Hans Meiser kündete in einem Endlos-Video vom Start des ersten Privatsenders RTL im Jahr 1984, während nebenan „Dirty Dancing“ im 80er-Kino flimmerte.

Durch ein großes Loch in der Mauer (aus Packpapier) ging die Zeitreise weiter in die 1990er Jahre. Natürlich mit Wiedervereinigung und „Wir sind das Volk“. Aber auch mit Gameboys, Diddl und hartem Techno, im jugendlichen Slang „Utz-Utz-Mucke“ genannt. Die 90er markierten auch den Beginn des Schulsanitätsdienstes, der sich seit kurzem mit einem neuen Logo präsentiert. Die Milleniumsfeier, der Wechsel von D-Mark zu Euro – alles mit Fotos und Basteleien auf großen Stellwänden dokumentiert und lustig anzusehen. Das „lebendige Museum“ hatte eine Gruppe von JRK-Teamern in tagelanger Arbeit und mit viel Liebe zum Detail auf die Beine gestellt. „Alle mussten in Kellern und auf Speichern nach Sachen von damals wühlen. Und manches haben wir auch im Internet ersteigert, um eine schöne Palette zusammen zu bekommen“, erzählte Laura Gregori von der JRK-Landesleitung.

Das 21. Jahrhundert zeigte sich nunmehr mit modernen Kampagnen wie „Deine Stärken, Deine Zukunft – ohne Druck“. Außerschulische Gruppenarbeit, AIDS- und Gewaltprävention, Sexualaufklärung, Schulsanitätsdienst und das Streitschlichterprogramm, das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), die Ferienfreizeiten und das Body-und-Grips-Mobil – alles heute Stützpfeiler der JRK-Jugendarbeit. 

Die Elefantenrunde - witzig und wichtig
Nach Reden und Würdigungen während der Feierstunde nahmen die Urgesteine des Jugendrotkreuzes zur „Elefanten“-Talkrunde in gemütlichen schwarzen Sesseln auf dem Podium Platz: Günter Sporea, der frühere JRK-Landesreferent, Michael Dreuw, der jetzt Vize-Präsident im Landesverband Nordrhein ist, Carsten Müntjes, ehemals JRK-Landesleiter, Reinhard Schrage, dienstältester Bildungsreferent, und Rolf Zimmermann, Geschäftsführer des Kreisverbandes Euskirchen und durch die Nähe dem HdJ in Bad Münstereifel seit Jahrzehnten verbunden. Da gab es Anekdoten zu erzählen, herausgekitzelt von der Nachwuchsführungsriege in JRK: Elena Klein, Laura Gregori, Ralf Hölscher und Florian Riegel. Die Zeugen der Anfangszeiten im HdJ auszuquetschen, machte ihnen Spaß und dem Publikum genauso. Bevor es das großzügige Haus in Bad Münstereifel als Bildungsheimat gab, fand Jugendarbeit übrigens in der alten Jugendherberge in Düsseldorf statt. Reinhard Schrage erinnerte sich lebhaft, wie Filzstifte, Papier und Kleber hin- und hergeschleppt wurden, weil es kein Materiallager dort gab. Gut, als 1984 das frühere DRK-Kurheim in Bad Münstereifel frei und zum Haus des Jugendrotkreuzes wurde. Heute genügt ein Köfferchen mit Datenchip, um im Spektakel-Büro und den Werk- und Seminarräumen zu arbeiten. Allen Plauderern gemeinsam: Erlebnisse der geselligen Art in der legendären „Eifelbar“ im Parterre des HdJ, die heute noch stilecht zum Feiern nach dem Lernen einlädt. Schrage warf auch einen Blick zurück auf die viele Freizeitaktionen rund um das HdJ. Berühmtes Highlight: die 480 Meter lange Murmelbahn aus Papprollen, die einen Eintrag in Guinnessbuch der Rekorde einbrachte. Erinnerungen an bemerkenswerte Kampagnen wurden wach, so als sich das JRK unter dem Motto „Wir sind ein Teil der Erde“ für den Umweltschutz einsetzte. Damals ein durchaus umstrittener Titel. Oder die Baumverschenkaktion „Es wächst was“. Auch gesellschaftspolitische Events lebten in der Talkrunde der Elefanten auf: zum Beispiel der erste deutsch-deutsche Jugendaustausch im Haus des Jugendrotkreuzes 1987.

Wer kommt eigentlich ins HdJ?
Das Haus des Jugendrotkreuzes ist die Bildungsstätte des JRK. Im Jahr gibt es rund 70 Termine dort. Die Gruppenleiter kommen zu Seminaren und Kongressen her und lernen, wie sie Inhalte von Projekten und Kampagnen an ihre Gruppen in den Kreisverbänden weiter geben können. „Die meisten Gruppenleiter machen zwei bis drei Lehrgänge pro Jahr zu verschiedenen Themengebieten mit“, erzählt JRK-Landesleiterin Elena Klein. „Sie erhalten von den Referenten das Rüstzeug, um die Gruppen zu führen.“ Das wichtigste ist aber: Die Leitung gibt nichts vor. Die Arbeit – etwa im Bereich Erste Hilfe - und auch die gemeinsame Freizeit sollen einen Prozess anregen, in dem Kinder und Jugendliche eigenständig Stärke und Selbstvertrauen entwickeln. Das heißt: Entscheidungen treffen, Konflikte lösen, Ideen schmieden und sie gemeinsam umsetzen. Persönlichkeiten werden und Verantwortung übernehmen. Ralf Hölscher, Mitglied der Landesleitung, nennt das den Kernpunkt sozialer und demokratischer Bildung, der neben der Wissensvermittlung in Schule seinen wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft behalten muss.

Das HdJ ist aber auch Begegnungs- und Erholungsort. Kinder aus Tschernobyl kamen regelmäßig her und schöpften neue Kräfte. 1990 fand das JRK-Supercamp mit fast 2000 Teilnehmern in Bad Münstereifel statt. Wettbewerbe und das Pfingsttreffen sind Institutionen. Bis 2008 gehörte auch das internationale Sommerspektakel mit jungen Menschen aus der ganzen Welt dazu. Und es kommen Gäste von außen. Sehr regelmäßig dabei: das Bundeswehrsozialwerk mit seinen Behindertengruppen.

15000 Mal pro Jahr wird im Haus des Jugendrotkreuzes in 31 Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern übernachtet. Die Herberge ist zu 90 Prozent ausgelastet und arbeitet wirtschaftlich.

 „Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist toll, die Gemeinschaft, die Offenheit und Freundschaft in der Gruppe und dass wir gemeinsam etwas bewegen. Und natürlich, dass wir zu den Veranstaltungen ins Haus des Jugendrotkreuzes fahren“, sagt Florian Riegel, Mitglied der Landesleitung.

Erfahrungen von Frau Oberhaus
Sie ist die Seele des HdJ, bietet seit 17 Jahren ein offenes Haus. Und hat schon so manches erlebt mit den Gästen – natürlich in erster Linie Positives. Da kommt der Hausverwalterin Martina Oberhaus ein Ereignis in den Sinn: Es war ein ruhiger Montagmorgen ohne Buchung und Belegung. Das Team wähnte sich ohne eilige Pflichten und wollte sich gerade der Gartenarbeit in dem riesigen Außengelände des HdJ hingeben. Da fuhr eine Wagenkolonne vor. „Es kam ein Auto nach dem anderen. Ich fragte verwundert, ob ich helfen könnte. Sie wären eine Lehrergruppe und hätten gebucht, meinten die Leute. Mir hatte aber aus Düsseldorf keiner was gesagt“, erzählt die Gastgeberin lachend. Sofort machten sich alle an die Arbeit und zauberten bis mittags ein Essen auf den Tisch. Von den Lehrern hat keiner gemerkt, dass das HdJ-Team von dem Besuch überrascht worden war.

Ein Wahrzeichen
Das Haus des Jugendrotkreuzes ist in 25 Jahren ein Wahrzeichen für Mitmenschlichkeit geworden. Alle Ideale, für die das Deutsche Rote Kreuz Nordrhein und sein Jugendverband JRK stehen, wurden und werden hier gelernt, um sie dann an andere weiter zu geben. Viele Menschen haben im Haus des Jugendrotkreuzes Miteinander erlebt, Verantwortung übernommen und Selbstbewusstsein gewonnen. Und es hat sie und andere für ihr Leben bereichert.(Text: Eva Gerten)

Ein Blick zurück: Zur Geschichte des HdJs

Das Haus ist 1969 ursprünglich als DRK-Kurheim konzipiert worden. Es diente hauptsächlich Eltern mit behinderten Kindern als Erholungsstätte. Anfang der 80er Jahre wurde der Erholungs- und Kurbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Die damaligen Kostendämpfungsgesetze führten zu einem Rückgang der Belegung des Hauses, so dass eine verantwortungsbewusste Weiterführung des Hauses nicht mehr möglich war. 1983 erfolgte dann die Umwandlung des Hauses in eine Bildungs- und Begegnungsstätte für das Jugendrotkreuz.

Viele Veranstaltungen haben in den Jahren des Haus der Jugendrotkreuzes (HdJ) geprägt. So wurde 1987 der erste deutsch/deutsche Jugendaustausch im HdJ durchgeführt. Dies war das erste Mal, dass sich die Jugend beider deutscher Rotkreuzgesellschaften traf. 1988 und 1989 fanden ebenfalls Begegnungen mit der Jugend des Roten Kreuzes der DDR im HdJ statt. Die geplante Begegnung mit der DDR 1990 wurde dann in eine gesamtdeutsche Begegnung umfunktioniert.

Von 1993 bis 2005 fand jährlich eine dreiwöchige Erholungsmaßnahme für ca. 40 Kinder aus der Umgebung von Tschernobyl statt. Zwischen 1985 und 2008 wurde das internationale Sommerspektakel hier 23x durchgeführt - mit Teilnehmern aus mehr als 20 Ländern.

Selbstverständlich werden hier auch die Seminare und Treffen angeboten, in denen sich die ehrenamtlichen Leitungskräfte Wissen und Kompetenz erwerben, um in ihren Kreisverbänden qualifizierte Jugendarbeit zu gestalten.

So entwickelte sich das Haus des Jugendrotkreuzes in den 25 Jahren seines Bestehens zu einem zentralen Ort der Bildung und Begegnung. Unter den Jugendlichen gilt es als ein wesentlicher identitätsstiftender Faktor.

 
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Frank Danscher

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