Karneval: Das Rote Kreuz im Einsatz
Düsseldorf, 16.2.2012. Bunte Hütchen, fesche Federn, geringelte T-Shirts. Es ist wieder soweit: Der Karneval hat Nordrhein fest im Griff. Und mittendrin die Helfer vom Roten Kreuz, aufmerksam, geduldig und bereit zu helfen.
Über 2.000 ehrenamtliche Rotkreuzler werden allein in den Kreisverbänden Bonn, Düsseldorf, Köln, Leverkusen, Heinsberg, Mettmann, Mülheim und Rhein-Sieg über die tollen Tage „Dienst schieben“ – und dazu gehört nicht nur das Helfen im richtigen Moment, sondern auch das Auf- und Abbauen der Unfallhilfestellen, sowie das Trocknen und Säubern der Zelte und anderen Einsatzmittel. Da kommen schnell ein paar Tausend Stunden zusammen. Arbeiten, während die anderen feiern. Und das freiwillig.
Siegburg, 12 Uhr, Weiberfastnacht:
Auf dem Marktplatz steigt die alljährliche Karnevalsparty, zu der mehrere tausend Jugendliche erwartet werden. Schon jetzt steht eine dichte Traube bunt kostümierter Menschen vor der Bühne. Und immer noch strömen aus den im Minutentakt eintreffenden Bahnen und Bussen Ströme weitere Jecken, laut lachend und singend, manche grölend - aufmerksam beobachtet von den Einsatzkräften des Roten Kreuzes, die schon früh am Morgen ihre Unfallhilfsstelle direkt am Marktplatz aufgebaut haben: Ein Behandlungszelt mit 16 Betten, davor ein Sichtungszelt, in dem Betroffene aufgenommen und ihr Hilfebedarf festgestellt werden. Und natürlich viel Gerät und Technik drum herum, damit alles wie am Schnürchen klappt. In einer Seitenstraße steht eine lange Schlange von RTWs (Rettungswagen) für den Transport Verletzter in die umliegenden Krankenhäuser. Wird das alles wirklich gebraucht?
„O ja“, sagt Rudolf Mrosek vom DRK-Kreisverband Rhein-Sieg. „Wir hatten letztes Jahr rund 80 Hilfeleistungen.“ Meist waren es Folgen von Stürzen oder übermäßigen Alkoholkonsums sowie Schnittverletzungen, die aber durch das Verbot, Flaschen und Gläser in die Partyzone mitzunehmen, im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger waren. Dennoch: „11 Personen mussten wir ins Krankenhaus bringen.“ Und diese Fahrten passieren – wie das im Leben mit vielem so ist - alle zur fast gleichen Zeit, nur weiß man nie genau, wann. Und wenn es eine Schlägerei oder ein Unglück gibt, dann können es schnell mehr Fahrten werden. Man muss also vorbereitet sein.
Jetzt aber, um 12 Uhr, ist alles noch ruhig. Es gibt erst einen Patienten, einen 15Jährigen. Er sieht ganz glücklich aus, kann sich aber nicht mehr auf den Beinen halten. Und kaum, dass sich die Helfer um ihn kümmern, bricht er in Tränen aus. „Wahrscheinlich weiß er jetzt, dass seine Eltern informiert werden“, sagt Mrosek. Denn hier in Siegburg ist auch das Jugendamt mit rund 14 Kräften im Einsatz. „Wenn die Jugendlichen schwer abstürzen, kümmern sie sich und setzen sich gegebenenfalls mit den Erziehungsberechtigten in Verbindung“, erklärt Roman Peiseler, der Leiter der DRK-Unfallhilfsstelle. „Ich halte diese Schnittstelle für sehr sinnvoll.“ Der Grund: Wer weiß, dass die Eltern informiert werden könnten, passt in Sachen Alkohol besser auf.
Das DRK leistet schon seit Jahren an Weiberfastnacht Sanitätswachdienst am Siegburger Markt. 83 Helfer plus 3 Ärzte sind auch diesmal wieder im Einsatz. Gegen 14 Uhr, das wissen sie aus Erfahrung, wird es alle Hände voll zu tun geben. Bis dahin heißt es zum allergrößten Teil: Warten. „Das gehört bei solchen Einsätzen einfach dazu“, sagt Mrosek, während er sich im Aufenthaltsraum einen Kaffee holt. Den hat der Betreuungsdienst aufgebrüht. Er sorgt auch für die weitere Verpflegung der Einsatzkräfte. Schließlich wird der Einsatz bis in die frühen Abendstunden dauern.
Wie geht es weiter?
Nahezu alle Kreisverbände in Nordrhein betreuen eine unüberschaubare Anzahl an Karnevalsveranstaltungen. Neben den Rosenmontagsumzügen gehören dazu auch unzählige kleinere und größere Sitzungen und Veranstaltungen. Und da Karneval nun mal in eine kalte Jahreszeit fällt, sind alle Kreisverbände darauf vorbereitet und werden, wie jedes Jahr, entsprechende Maßnahmen treffen:
- Einrichtung überwiegend beheizter Zelte oder Fahrzeuge und teilweise Nutzung von ortsfesten Einrichtungen für die Unfallhilfsstellen
- Vorhaltung von Heißgetränken für die Betroffenen
- Vorhaltung einer großen Anzahl an Decken für die Betroffenen, teilweise Einsatz von zusätzlichen Iso-Matten etc. zu den üblichen Liegen und Krankentragen
- Einrichtung beheizter Aufenthaltsbereiche und Vorhaltung von Heißgetränken für die eigenen Einsatzkräfte
- Besondere Dienstbekleidung (Mützen, Schals, Handschuhe) für die kalte Jahreszeit.
Rückblick 2011
Im letzten Jahr leisteten rund 1300 Rotkreuzhelfer in 6 DRK-Kreisverbänden (Düsseldorf, Köln, Heinsberg, Leverkusen, Mülheim, Rhein-Sieg) im DRK-Verbandsgebiet Nordrhein, zu dem insgesamt 29 Kreisverbände gehören, 452 Hilfeleistungen.
„Unsere Einsätze sind in den letzten Jahren keiner klaren Nische mehr zuzuordnen“, erklärt Isabel Diener vom DRK-Kreisverband Köln. „Während wir vor ein paar Jahren noch viele alkoholisierte Minderjährige versorgen mussten, ist diese Zahl deutlich zurückgegangen. Durch das seit letztem Jahr konsequent durchgesetzte Glasverbot auf zentralen Plätzen ist auch dieser Bereich nicht mehr überproportional vertreten.“
Einsatzkräfte und Medienkontakte in ausgewählten Kreisverbänden 2012:
Bonn: 403 Einsatzkräfte insgesamt, Kontakt: Barbara Dreifert, 0151 46 40 53 34
Düsseldorf: 276 Einsatzkräfte (Rosenmontagszug), Kontakt: Sabine Jokl,0178 34 47 469
Duisburg: 70 Einsatzkräfte (Rosenmontagszug), Kontakt: Willi Stiegenhöfer, 0172 2425559
Köln: insgesamt 495, davon 134 beim Rosenmontagszug, Kontakt: Isabel Diener, 0173 960 5521
Heinsberg: 150 Einsatzkräfte insg., Kontakt: Andreas Schülbe,02431 802 124
Leverkusen: 170 Einsatzkräfte insgesamt, Kontakt: Klaus Zumbrägel,02171 4006 335
Mettmann: 270 Einsatzkräfte insg., Kontakt: Gudrun Manegold, 02104 21 69 14
Mülheim a.d. Ruhr: 80 Einsatzkräfte, Kontakt: Frank Langer, 0170 / 568 06 02, langer-muelheim@t-online.de
Rhein-Sieg: 86 Einsatzkräfte an Weiberfastnacht, Kontakt: Rudolf Mrosek, 0172 2901903
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