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Sabine Günnel: Wir können viel bewegen

Vier Wochen bei minus 20 Grad Celsius im Zelt, hoch in den pakistanischen Bergen. Umgeben von Menschen, die blanke Not leiden. Sabine Günnel aus Jülich hat bei ihren Auslandseinsätzen für das Deutsche Rote Kreuz viele extreme Situationen erlebt. Sie reist im Auftrag der Hilfsorganisation in Krisenregionen in aller Welt. Denn die 34jährige ist Expertin auf dem Gebiet der Trinkwasseraufbereitung.

Sabine Günnel, die schon seit 20 Jahren ehrenamtlich für den DRK-Kreisverband Jülich arbeitet, war bereits in Sri Lanka, Bangladesch, auf Java und Sumatra. Zuletzt war sie in Pakistan, nachdem ein Zyklon dort gewütet hatte. Das größte Problem für die Überlebenden solcher Naturkatastrophen: sauberes, trinkbares Wasser. Nach Überschwemmungen sind oft Brunnen zerstört, ist das Oberflächenwasser verschmutzt und verseucht. Durchfallerkrankungen drohen. Wichtigste Maßnahme: die Trinkwasseraufbereitung. In drei Phasen wird Wasser durch Filtration gereinigt und von Rückständen befreit.

Ihr Spezialwissen erwarb Sabine Günnel über Jahre hinweg auf Schulungen des Roten Kreuzes – erst in Jülich bei ihrem Kreisverband, dann in Düsseldorf beim DRK-Landesverband Nordrhein. Dort bildet die erfahrene Helferin heute selbst Einsatzkräfte aus. „Ich gebe meine Erfahrungen aus den Auslandseinsätzen weiter“, erzählt sie, „denn die sind auch für Inlandshelfer wichtig.“ Schließlich kann es auch in Deutschland zu Katastrophen kommen, in denen die Wasserversorgung zusammenbricht – zum Beispiel wenn viel Schnee fällt, die Strommasten brechen und der Strom ausfällt. „Ohne Elektrizität kein Wasser“, bringt es Sabine Günnel auf den Punkt.

Wenn irgendwo in der Welt eine Katastrophe passiert, alarmiert die nationale Rotkreuzgesellschaft des Landes sofort ihre Partner auch in Deutschland. „Oft kommt der erste Anruf, wenn die Meldung vom Unglück gerade in der Tagesschau läuft“, zeigt Sabine Günnel die Dringlichkeit. Wenig später ist das Einsatzteam schon zum Abflug bereit. In Berlin-Schönefeld lagert das Equipment fertig verpackt. Eine ERU, kurz für Emergency Response Unit (Katastrophenhilfe-Einheit), kann innerhalb von 48 Stunden an jedem Ort der Erde sein. Sobald eine mobile Trinkwasseraufbereitungs-Anlage installiert ist, bessert sich die Lage für die Menschen zusehends. „In kurzer Zeit können wir ganz viel bewegen.“

Eine Trinkwasserstation bereitet sauberes Wasser für 15.000 Menschen am Tag. „Die Leute geben selbst im größten Elend nicht auf. Da ist eine enorme Kraft.“ Manchmal ist es für sie und ihr Team schwer zu ertragen, nicht allen Menschen helfen zu können. Müdigkeit, erschöpfte Reserven – auch Helfer stoßen an Grenzen körperlicher und seelischer Art. Da hilft der sprichwörtliche Teamgeist. „Jeder kommt einmal an seinen persönlichen Tiefpunkt. Da fangen ihn die anderen auf, spenden Trost, sagen: Mach mal Pause.“ Im Team herrscht ein Grundgedanke: optimale Hilfe leisten. Alle passen aufeinander auf. „Wer das nicht kann, geht nur einmal in einen Auslandseinsatz – und danach nie wieder“, weiß Sabine Günnel.

Mit Mitte zwanzig ging die gelernte Bankkauffrau zum ersten Mal in einen Auslandseinsatz. Damals arbeitete sie Vollzeit in ihrem Beruf. Doch Katastrophen sind nicht planbar. „Als Auslandshelfer muss man auf Abruf stehen.“ Um flexibler zu sein und sich weiterzubilden, begann sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln. Was sie über wirtschaftliches Denken und Projektmanagement lernt, ist für die DRK-Arbeit sehr nützlich, denn als Projektleiterin trifft sie im Katastrophengebiet wichtige Entscheidungen. „Die Auslandsarbeit ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden.“ Den wird sie nicht aufgeben, auch wenn sie nach ihrem Studium nicht mehr ganz so oft für das DRK unterwegs sein kann.

Und eine Erkenntnis wird sie immer behalten: Sauberes Wasser ist für uns selbstverständlich, für Millionen Menschen auf der Welt aber keineswegs. „Wir drehen den Hahn auf und haben bestes Trinkwasser. Ein purer Luxus.“

 Text: Eva Gerten

Weitere Informationen:
Bereit zu helfen – Informationen zu den Bereitschaften im DRK
Unter Strom – Fachdienst Technik und Sicherheit sorgt auch für Wasserversorgung

 
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