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Günter Techt: Vermittler zwischen den Welten

Drei Jahrzehnte seines Lebens hat Günter Techt als Manager und Vertriebsprofi in der Lebensmittel- und Textilbranche gearbeitet. Von seiner reichen Berufserfahrung profitiert heute das Rote Kreuz: Der 67-Jährige berät den Wohlfahrtsverband als ehrenamtlicher Senior Consultant in Organisations- und Wirtschaftsfragen.

Angefangen hat alles nach seinem 60sten Geburtstag. Da begann Günter Techt, beruflich kürzer zu treten und hatte endlich Zeit für andere Dinge. „Mir war schon seit langem bewusst, dass ich mich für das Gemeinwohl engagieren wollte, aber wie das so ist“, er schmunzelt, „es kam immer etwas dazwi-schen.“ Nun aber war es soweit: Er meldete sich bei der Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement des DRK Landesverbandes Nordrhein und fragte, was er denn tun könne. Statt einer langen Liste mit Vorschlägen erhielt er jedoch eine Gegenfrage: „Was genau möchten und können Sie denn?“

„Das hat mich überrascht und zum Nachdenken gebracht“, erinnert sich der gebürtige Düsseldorfer. „Denn ich wollte etwas tun, was wirklich gebraucht wird, doch praktische Fertigkeiten im Bereich Pflege oder Sozialarbeit hatte ich nicht.“ Die Koordinatorin Gabriele Schmidt sah darin kein Problem. Gemeinsam mit Günter Techt entwickelte sie einen Weg, wie er sein Erfahrungswissen aus der Wirtschaft für den Wohlfahrtsverband nutzbar machen könne. Denn zu tun gab und gibt es genug, schließlich verfügt der DRK-Landesverband über drei Seniorenheime, ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, eine Sozialstation, ein Kurzentrum und eine Kindertagesstätte. Sie alle haben mit Sparmaßnahmen öffentlicher Haushalte zu kämpfen und müssen sich einem immer härter werdenden Wettbewerb stellen.

„Ich sehe genau hin, höre zu und versuche Lösungen zu entwickeln“, beschreibt Günter Techt sein Engagement. Auf diese Weise wurde er schnell in viele Projekte eingebunden. Ob bei der Vermarktung von Wohnungen des „Betreuten Wohnens“ oder dem Aufbau eines Zentraleinkaufs für DRK-Einrichtungen – überall war er beratend tätig. Und: Seine Anregungen und Vorschläge landeten nicht in der Schublade, sondern wurden umgesetzt. Doch ehrenamtliches Engagement ist keine Einbahnstraße.

Auch der ehemalige Manager lernte dazu. „Ich habe begriffen, dass man nicht alle Regeln der Wirtschaft dem Sozialwesen einfach überstülpen kann.“ Schließlich gehe es in der Wohlfahrtspflege nicht um Gewinnmaximierung, sondern darum, Menschen zu helfen. Immer wieder berühre ihn, mit wie viel Einsatzbereitschaft Mitarbeiter und Ehre-namtler bei der Sache sind. „Ich kenne hohe Einsatzbereitschaft aus der Wirtschaft“, sagt er, „doch der Grund ist meist, viel Geld zu verdienen. Hier aber tun sie es, um sich für andere einzusetzen.“

Diese Erfahrung, so Techt, sei eine Bereicherung für sein Leben. Gern würde er sie auch anderen eröffnen. Daher unterstützt er DRK-Einrichtungen der Alten- Behindertenhilfe in ihrem Bemühen, Kon-takte zu Unternehmen zu knüpfen. „Wir wollen Förder- und Freundeskreise organisieren und Men-schen einladen, anderen zu helfen und voneinander zu lernen.“ Er selbst sieht sich dabei als Vermittler zwischen zwei Welten. „Wirtschaft und Wohlfahrtspflege sprechen unterschiedliche Sprachen und folgen verschiedenen Regeln“, erklärt er. „Da gibt es schon mal Unsicherheiten und Missverständnisse.“

Günter Techt kennt sich mittlerweile in beiden Welten aus. Voller Enthusiasmus erzählt er von Treffen mit großen Unternehmen. Wie man Unternehmenschefs auf Augenhöhe, aber korrekt begegnet. Welch ungeschriebene Regeln zu beachten sind. Und welche Möglichkeiten es gibt, zu helfen. „Geld ist nicht immer die Lösung“, sagt er. „Wir brauchen Menschen, die sich kümmern, die einem Bewoh-ner im Seniorenheim durch ihren Besuch Vorfreude geben auf das Morgen.“

Text: Anja Martin, Foto: Thorsten Kleemann

Weitere Informationen: Freiwilliges Soziales Engagement im DRK

 
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