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Neufundländer „Fritz“ baut Brücken in die Welt der Demenz

Heute steht wieder ein besonderer Besuch ins Haus: Fritz kommt. Der riesige braune Neufundländer ist Liebling der Bewohner des multikulturellen DRK-Seniorenzentrums „Haus am Sandberg“ in Duisburg-Homberg. „Ich hänge nur am anderen Ende der Leine“, spielt Herrchen Michael Pösken seine Rolle lachend herunter.

Die beiden kommen mehrmals in der Woche zur Kaffeestunde in eine Demenzgruppe. Dort schafft Fritz auf seine gutmütige Art, was Pflegern und Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner oft nicht mehr so recht gelingt: Er öffnet ein Tor zur Wirklichkeit und zaubert auf manchen lange unbewegten Mund ein Lächeln.

Der Hund scheint sich auf die regelmäßigen Besuche und seinen Job im „tiergestützten Besuchersdienst“ des DRK-Heims zu freuen. Mit aller Kraft und 70 Kilo Lebensgewicht zieht er Herrchen Michael Pösken auf den Eingang des Hauses zu. In Foyer sitzt eine Gruppe von Senioren, die er sofort schwanzwedelnd begrüßt. Die Freude wird umgehend erwidert. „Darf er ein Bonbon?“, fragt eine Dame. Michael Pösken winkt ab: „Lieber nicht, das ist nicht gesund für ihn.“ Die Dame ist nicht lange enttäuscht, sondern streichelt das weiche braune Teddybär-Fell von Fritz.

Der Neufundländer ist mit sieben anderen Hunden seit diesem Jahr im „Haus am Sandberg“ im Einsatz. Sein Besitzer Michael Pösken wurde durch eine Zeitungsanzeige auf den ehrenamtlichen Besucherservice aufmerksam. Seine Neugier war geweckt. Der 43-Jährige hatte bis dahin keine Vorstellung davon, wie Menschen mit einer dementiellen Erkrankung leben. Was sie können und nicht mehr können, wie sie reagieren. „Am Anfang war es nicht leicht. Aber freundliche Ansprache und ein bisschen Verständnis sind hilfreich. Eine Dame zum Beispiel nennt den Fritz konsequent „Lumpi“. Es hat keinen Zweck, ihr das auszureden. Deshalb sage ich auch einfach „Lumpi“ zu Fritz, wenn wir diese Dame besuchen.“

Besuchshunde wie Fritz werden mit ihren Herrchen und Frauchen einer hausinternen Prüfung unterzogen, bevor sie in den Dienst dürfen. „Es muss klar sein, dass der Hund auch in Stresslagen ruhig und friedfertig bleibt. Und dass der Hundeführer weiß, wie er Signale deutet, die der Hund gibt, wenn ihm etwas zu viel oder unangenehm wird“, erklärt Gudrun Küper-Sengül von Sozialen Dienst im „Haus am Sandberg“. Sie leitet das Projekt „tiergestützter Besucherdienst“ in der Einrichtung des DRK, und weil sie schon oft ihren eigenen Hund mit ins Heim gebracht hat, kennt sie sich aus. Brenzlige Situationen mit Fritz hat es noch nicht gegeben. Der Hund ist lieb und unaufdringlich. Wenn ein Mensch keinen Kontakt wünscht, hält sich Fritz zurück. Aber alle, die wollen, dürfen ihn kraulen und herzen.

Der Mann, der nach eigener Aussage am anderen Ende der Leine hängt, empfindet seinen Einsatz für die gute Sache als nichts Besonderes. „Ich möchte überhaupt nicht gern als so super sozial dastehen“, sagt Michael Pösken. Für den 43-Jährigen, der selbst an einer schweren Krankheit leidet, steht fest: Sich in einem Ehrenamt wie zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz für andere einsetzen und stark machen, sollte eigentlich Selbstverständlichkeit für jedermann sein. Für Pösken ist das auf alle Fälle so.

Er ist gern gesehen in der Demenzgruppe, zu der zehn Menschen zählen, die unterschiedlich stark betroffen sind. Manche bleiben teilnahmslos, wenn das freundliche Duo auftaucht. Andere bekommen leuchtende Augen und entspannte Gesichtszüge. Und wieder andere finden plötzlich Worte, die lange schon versiegt schienen.

„Wir haben Patienten, die uns Menschen kaum mehr erkennen. Aber den Fritz, den erkennen sie“, weiß Gudrun Küper-Sengül. Der Hund baut Brücken zwischen Welten, er gilt als neutraler Vermittler. „Menschliche Beziehungen sind oft belastet und voreingenommen. Aber ein Hund stellt keine Ansprüche und hat keine Erwartungen. Er liebt jeden, so wie er ist“, freut sich Gudrun Küper-Sengül.

Text: Eva Gerten, Foto: Daniel Roth

Ansprechpartnerin:
Gudrun Küper-Sengül Tel. 02066/9970-136 Telefonisch zu erreichen Do – Fr. von 13 –17.30 Uhr

Weitere Informationen:
DRK-Multikulturelles Seniorenzentrum Haus am Sandberg

 
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