Frank Kluge: Ich will einfach helfen

Frank Kluge ist Retter. Aus der Luft und aus dem Wasser. Er ist seit 2001 ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz. Im Kreisverband Niederrhein leitet der 36 Jahre alte Oberhausener die Wasserwacht auf Grav Insel, einem der größten Campingplätze in Deutschland.

Zur Wasserwacht gehören Wasserrettung und Luftrettung. Frank Kluge ist zudem Lehrrettungsassistent. Nicht zu vergessen: Frank Kluge hat noch einen Nebenjob. Er arbeitet bei der Deutschen Flug-Ambulanz, die weltweit medizinische Krankentransporte organisiert. Und von Beruf ist er Feuerwehrmann, rettet Leben, versorgt Verletzte, löscht Brände.

Ein junges Leben ganz im Einsatz für Mitmenschlichkeit. Aus Verantwortungsgefühl und dem Empfinden, dass Helfen die Welt ein bisschen besser macht. Warum er hilft? „Keine Ahnung, ich tue es einfach.“

Vom Mückenstich bis zum Polytrauma 35 000 Dauer- und Tagescamper verbringen an Sommertagen ihre Freizeit auf Grav Insel. Der Campingplatz liegt an einem alten Rheinarm zwischen Wesel und Rees. Badestrand, Grill- und Spielplätze inklusive. Viel zu tun für die Helfer. Frank Kluge teilt seine 16 Sanitäter und Rettungsschwimmer in die Dienste ein. An den Wochenenden ist die Station 48 Stunden besetzt. In den Sommerferien und an Feiertagen ebenfalls rund um die Uhr. „Mit der Wasserrettung haben wir noch am wenigsten zu tun. Hauptsächlich geht es um allgemeine Verletzungen. Wir versorgen alles vom Mückenstich bis zum Polytrauma.“

Auch Sonnenbrände und Sonnenstiche gilt es zu versorgen. Wenn am Grill und am Badestrand Hochsaison ist, fließt nicht selten auch der Alkohol. Da gibt es schon mal Streitigkeiten, da klafft schnell eine Platzwunde, ist ruckzuck jemand gestürzt.

Zum Deutschen Roten Kreuz kam Frank Kluge eher aus Zufall: „Ich war mit meinen Eltern von klein auf zum Camping auf Grav Insel. Mit 15 habe ich die Leute von der DLRG kennengelernt, fand deren Arbeit faszinierend und habe mitgemacht. Dadurch entstand der Kontakt zur Wasserwacht vom Roten Kreuz.“ Für Frank Kluge, der zunächst den Krankenpflegerberuf erlernte, eröffnete sich ein riesiges Spektrum, das alle seine Interessenfelder abdeckte. So machte er eine richtige DRK-Karriere, wurde Rettungsassistent, Wasser-, Luft- und Höhenretter, Taucher und ging zur Feuerwehr.

Als Feuerwehrmann ist er doch schon beruflich im Dienst der Mitmenschen, warum dann zusätzlich das Ganze noch einmal in der ehrenamtlichen Variante? „Ich weiß nicht, wirklich nicht!“, sagt der 36-Jährige prompt mit einem Blick, als wolle er zurückfragen: „Warum denn nicht?“ Doch hinter der scheinbar rätselhaften Antwort verbirgt sich so einiges: Der Spaß, die Freude, Menschen zu helfen. Einfach immer hilfsbereit und entgegenkommend zu sein. „Da gibt es eine ältere Frau auf Grav Insel, die vor zwei Jahren einen Herzinfarkt hatte. Wir konnten sie reanimieren. Seitdem winkt sie immer freundlich rüber, wenn sie uns sieht.“ Die Frau verdankt Frank Kluge und seinen Kollegen ihr Leben.

Es zählen Teamgeist und Freundschaft Auch Abenteuer und Nervenkitzel treiben den Helfer an: Aus dem offenen Helikopter abseilen, in den Booten der Wasserwacht über die Wellen reiten. Draußen sein, Natur spüren, körperliche Herausforderung. Und ein ganz wichtiger Faktor: Freundschaft, Teamgeist. Helfer können sich aufeinander verlassen, stehen füreinander ein. Das bewährte Motto „Einer für alle, alle für eine“ - hier gilt es noch etwas.

Natürlich hat alles, was Frank Kluge in Job und Hobby macht, auch mit schrecklichen Dingen zu tun. Leben retten ist immer nah am Tod. Menschen ertrinken beim Baden, sie müssen gesucht und geborgen werden. Meist ist das für die Retter sehr belastend. Deshalb macht Frank Kluge auch im PSU-Team mit, das psychosoziale Unterstützung für Kollegen anbietet. „Oft hilft es, wenn einer über das Erlebte reden darf und ein anderer zuhört.“ Wie ist es für ihn selbst, wenn er Menschen hat leiden oder sterben sehen? „Ich mache es wie bei der PSU empfohlen, erzähle meinen Leuten alles im Detail und kann so die Last auf viele Schultern verteilen. Dann ist es für den Einzelnen nicht mehr so schwer.“

Manchmal tauscht sich der DRK-Helfer auch mit seiner Freundin Andrea aus. Sie ist Ärztin und weiß genau, wovon er spricht. Die beiden haben sich übrigens auf einem Notarztwagen kennen gelernt.

Text: Eva Gerten

Weitere Informationen: Die Wasserwacht in Nordrhein

 
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