Claudia Dominikus: Den Forschergeist fördern

Von Reggio-Pädagogik hatte Claudia Dominikus noch nichts gehört, bevor ihr erster Sohn in den Kindergarten kam. Doch dann meldete sie Florian bei der DRK-Kindertagesstätte „Kumulus“ in Düsseldorf an und war sofort vom außergewöhnlichen Konzept des Hauses begeistert.

Die Einrichtung unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes orientiert sich an den Ideen des italienischen Sonderpädagogen Loris Malaguzzi, der sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts intensiv mit neuen Erziehungs- und Lernformen für Kinder beschäftigte. Er gründete nach diesem Prinzip die ersten Tagesstätten in der Stadt Reggio Emilia. Daher der Name Reggio-Pädagogik. In den 80er Jahren kam die Idee nach Deutschland, und das DRK griff sie auf breiter Ebene auf. 120 Kindestagesstätten im Landesverband Nordrhein arbeiten größtenteils nach diesem Konzept.

Die Grundsätze sind: Selbstbewusstsein erlangen, Respekt erlernen, Ziele formulieren und sie selbst erreichen, Internationalität erleben und soziales Miteinander trainieren. Genau diese Aspekte des Lebens in der Gesellschaft formuliert auch das Deutsche Rote Kreuz in seinem Welt- und Menschenbild und trägt sie in der täglichen Arbeit bei „Kumulus“ weiter.

Claudia Dominikus gründete den engagierte sich mehrere Jahre im Elternrat der Kindertagesstätte und ist Mitbegründerin des des Fördervereins, deren Vorsitzende sie ist und der die Ideen nach außen trägt. Die Folge: Inzwischen interessieren sich Eltern aus ganz Düsseldorf und den benachbarten Städten für „Kumulus“. Es gibt lange Wartelisten. Was einst als Betriebskindergarten für die Angestellten des Deutschen Roten Kreuzes begann, sollte ein pädagogisches Erfolgsrezept werden, das heute allen Kindern offensteht.

Das Wichtigste in der Reggio-Pädagogik ist, Talente zu erkennen und zu fördern. „Jedes Kind hat einen Motor, der es antreibt, in eine bestimmte Richtung zu streben“, erklärt Annegret Hachenberg vom DRK-Landesverband. Das kann ein handwerkliches, musisches, emotionales oder intellektuelles Talent sein. Alle Kinder, heißt es in den Theorien, wollen verstehen, wie die Welt funktioniert. Sie sind grundsätzlich wissbegierig und lieben es zu forschen und zu entdecken. Sie wollen die Welt verstehen und haben dazu auch von Geburt an die notwendigen Kompetenzen. Jetzt geht es darum, diese Fähigkeiten gezielt hervor zu bringen.

Den Forscherdrang der Kleinen können die Großen mit Fragen und Problemstellungen anregen. So arbeitet auch die Reggio-Pädagogik. Kinder stellen sich selbst Herausforderungen und Aufgaben und machen sich auf ihren eigenen Weg, die Lösung zu suchen. „Unter den Kindern, die im Kumulus waren, gab es noch keines, das später in der Schule versagt hätte“, weiß Annegret Hachenberg.

„Ich merke deutlich, wie sehr meine Kinder von Kumulus profitiert haben“, berichtet auch Claudia Dominikus. Im Förderverein tragen Eltern und Erzieher neue Ideen für die Arbeit mit den Kindern zusammen und sammeln Geld, um den Ideen Taten folgen zu lassen. Dazu gehört: Alles tun, erlauben und ermöglichen, was den Forschergeist und die Wissbegierde der Kinder beflügelt. Die Gruppen gehen viel in Museen, machen Ausflüge, lernen Berufe kennen, arbeiten mit Künstlern und Musikern.

Dr. Dominikus steht voll hinter den Idealen der Tagesstätte. „Kumulus“, der freundliche Name, ist übrigens ein Synonym für hundert und mehr Möglichkeiten. „Es heißt ja übersetzt Schäfchenwolken. Die stehen am Himmel und verändern sich dauernd. So viele und noch mehr Facetten hat auch die individuelle Entwicklung von Kindern“, erläutert Claudia Dominikus.

Auch bei ihren drei Söhnen Florian (10), Moritz (7) und Lukas (5) hat Claudia Dominikus auf die Eigenheiten gehorcht, seit sie den DRK-Kindergarten besuchten. „Oft bin ich angesprochen worden, dass meine Kinder sich sehr sozial verhielten, Respekt zeigten, sich gut in Gruppen einfügten und Regeln beherzigten. Vor allem, als der Älteste in die Schule kam, fiel das positiv auf“, erzählt die dreifache Mutter.

Die 40-Jährige ist Kinderärztin am Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf. Den Zusammenhang zwischen dem Deutschen Roten Kreuz und der Reggio-Pädagogik findet die Medizinerin logisch, denn beide verbinde ja ein gleiches Menschenbild. Auch für Dr. Dominikus steht im Vordergrund, der Würde jeden Menschen Respekt und Achtung zu zollen, egal, wie jung oder alt dieser Mensch ist. In der Kindertagesstätte „Kumulus“ sind Kinder schon ab vier Monaten. Viele kommen aus internationalen Familien.

Das Erleben der Vielfalt der Kulturen, der Religionen, der Sitten und Sprachen anderer Völker ist ausdrücklich erwünscht. Alle Kinder gehören einer Stammgruppe an, dürfen sich aber im Haus und auf dem Gelände frei bewegen. Erziehung, Bildung und Betreuung findet gleichzeitig statt. Das Entdecken steht im Vordergrund.

Für Claudia Dominikus ist es selbstverständlich, sich ehrenamtlich einzusetzen für den Förderverein. Sie hat nicht gezögert, sich zur Vorsitzenden wählen zu lassen. „So kann ich wichtige Projekte lenken und mit beeinflussen. Die Elternarbeit ist das A und O. Und ich finde es großartig, dass das Rote Kreuz solche Einrichtungen trägt.“

Text: Eva Gerten

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